Farbringe als Orientierungshilfe

MÜLHEIM PIPECOATINGS GmbH (MPC) - der weltweit führenden Spezialisten für Innen- und Außenbeschichtungen von Großrohren – und Teknos Deutschland GmbH blicken auf eine langjährige, partnerschaftliche Zusammenarbeit zurück. Gemeinsam wurden schon zahlreiche Projekte gemeistert und etliche Tonnen Rohrinnen- und außenbeschichtung produziert und verarbeitet. Das Trans Adriatic Pipeline Projekt (kurz: TAP) brachte eine neue Herausforderung mit sich und MPC entwickelte gemeinsam mit Teknos Deutschland eine Lösung von der Auswahl der richtigen Rohrmarkeriungsfarbe bis hin zur optimalen Auftragung auf die Großrohre.

Zugegeben: Optisch hat das was, wenn ein beschichtetes Rohr im Abstand von drei Metern mit einem oder mehreren farbigen Ringen verziert ist. Nur dass diese Farbringe wahrscheinlich nicht der Dekoration dienen, sondern wohl noch einen tieferen Sinn erfüllen müssen. Betriebsleiter Christian Balkenohl von MPC kennt den Grund: "Wir markieren Rohre mit bis zu fünf farbigen Ringen für eine eindeutige Zuordnung auf Baustellen und in Häfen." 

Bei South Stream war der jeweilige Bestimmungsort durch eine Farbe gekennzeichnet, beim TAP-Projekt jede Wanddicke und damit ebenfalls der Bestimmungsort. Zwar ließen sich diese Informationen auch über den Barcode abrufen, aber das ist halt nicht immer machbar. Und zudem ist die Orientierung mithilfe von Farben einfacher.

Automatischen Farbring-Sprühanlage

Aufgetragen wurden diese Ringe bislang per Hand, indem ein Mitarbeiter an der Drehvorrichtung für die Inspektion bei der Drehung des Rohrs einfach eine Farbrolle dagegenhielt. Doch das TAP-Projekt stellt andere Anforderungen. 

"Der Kunde wollte nicht nur fünf Ringe im Abstand von drei Metern, sondern auch noch eine saubere und scharfkantige Kontur", so Betriebsingenieur Tobias Neukirchen. Fünf Mitarbeiter für das Farbenspiel abzustellen, war MPC jedoch schlichtweg zu aufwendig. Mal ganz abgesehen davon, dass sie das geforderte klare Farbbild wohl auch nicht zustande bekommen hätten.

Und so beschäftigte man sich im Herbst 2015 mit ersten Überlegungen zur Realisierung einer automatischen Farbring-Sprühanlage. Installiert wurde schließlich am 5. Dezember 2015 an einer bereits vorhandenen Drehvorrichtung eine von MPC konzipierte und einem Spezialisten für Geräte und Anlagen zur Materialförderung und -applikation gefertigte Anlage mit fünf variabel positionierbaren Düsen. 

Für den aktuellen Auftrag sind sie im Abstand von drei Metern angebracht und werden über zwei je 20 Liter fassende Druckfarbbehälter mit wasserbasierter lösemittelfreier Farbe versorgt.

Zwei deshalb, um bei einem Farbwechsel keine Zeit zu verlieren. Während die Teile für die Anlage alle Standard sind, bereitete die Farbe schon größeres Kopfzerbrechen.

"Normale Farbe haftet auf PE- und PP-Beschichtungen nicht, sodass wir zunächst ausführliche Gespräche mit einem unserer langjährigen Lieferanten Teknos geführt haben", erklärt dazu Christian Balkenohl. Da der Kunde auch noch auf RAL-Farben bestand, dauerte es einige Zeit und Tests, bis die richtige Farbe endlich gefunden war.

ln enger Zusammenarbeit zwischen MPC, Teknos und dem Anlagenhersteller konnte auf einer Versuchsanlage dann die passende Farbe identifiziert werden. Zum Einsatz kam das wasserbasierte Produkt NORDIKA EKO 3894 (alte Produktbezeichnung: GORI 894), welches normalerweise im Bereich der industriellen Holzbeschichtung zum Einsatz kommt. Aber für die Markierung der Rohre überzeugte NORDIKA EKO 3894 durch gute Haftung, schnelle Verfügbarkeit, eine besonders wirtschaftliche Ergiebigkeit sowie die Machbarkeit in jedem beliebigen RAL-Farbton.

Gutes und einfaches System

Weitere wichtige Schritte vor Inbetriebnahme der Anlage waren die Einstellung eines sauberen Sprühbildes sowie der Steuerung der Druckbehälter, die mit bis zu 7 bar die fünf Sprühpistolen mit Zusatz- und Zerstäuberluft versorgen. Dabei verfügt jede Pistole über eine eigene Einstellung. Bereits im Vorfeld hatte man sich auf die Suche nach Düsen gemacht, die in der Lage sind, das gewünschte scharfkantige Farbbild und die erforderliche Sprühbreite zu erzeugen.

"Auch wenn sich das in der Beschreibung alles etwas kompliziert anhört: Wir wollten eine ebenso gute wie einfache Anlage ohne großen elektronischen Schnickschnack", sagt Tobias Neukirchen, der die Einführung der Anlage als Projektleiter betreute. Und genau das hat MPC nun an der Drehvorrichtung im Einsatz: eine Anlage, die genau und präzise die Ringe aufträgt, statt fünf auch nur drei Ringe aufbringen kann und - falls denn gewünscht - selbst für Längsstreifen tauglich wäre. Wie gesagt nicht zu Dekorationszwecken, sondern als Orientierungshilfe. Obwohl: Gut sehen sie trotzdem aus, die Rohre mit ihren Farbringen.